Erfolgreiche Synthese
Kita in denkmalgeschützter Betonkirche

Frage V & B: Die Vorgabe der denkmalgeschützten Kirche spricht, vorsichtig ausgedrückt, eine „markante“ Architektursprache. Wie sehen Sie den Gegensatz des Sichtbetons – auch New Brutalism genannt – zu der Geborgenheit, die ein Kindergarten vermitteln soll?
Herr Krämer: Für uns war es die Frage: wie gehen wir mit diesem Denkmal aus Beton um? Der Sichtbeton wurde im Original bis in das kleinste Detail ausgeführt. Sogar die Kerzenhalter der Kirche folgen dieser Materialität. Diesem groben Material setzten wir als Antwort Fichtenholz entgegen. Bemerkenswert, dass es auch für die Schalung des Betons verwendet wurde. Bei diesem Entwurf steht das Material Holz auch für „freundliche Natürlichkeit“.
Frau Speicher: Ich teile die Aussage von Herrn Krämer und sehe eher die Vielfalt der Materialien statt eines Gegensatzes. Die „Holzkiste“ innerhalb des Sichtbetons ist sehr warm und wohlig gestaltet. Die Architekten gingen mit Farben sparsam um und geben dadurch den Kindern den Raum und die Projektionsfläche für ihre eigene Farbigkeit.
Frage V & B: Der Erfolg eines Projektes hängt zunehmend vom Ausgleich der sich
teilweise widersprechenden Anforderungen ab. Wie konnten Sie die unterschiedlichen
Interessen der Architektur und der Pädagogik abgleichen und erfüllen?
Herr Driesch: Wir hatten unzählige Jour Fixe, in denen jede Einzelheit abgestimmt
wurde. Jede einzelne Farbe und Fliese haben wir gemeinsam beschlossen. Die
Abstimmung war also sehr eng. Für die Kinder und mich als Leiter der Kita Cristkönig
zählt: Der Bau ist naturbelassen und vermittelt ein warmes Gefühl. Warme Holztöne
und weiß herrschen vor und schaffen für alle ein angenehmes Raumgefühl.
Herr Krämer: Uns war es darüber hinaus wichtig, dass der sakrale Charakter des
Gebäudes erhalten bleibt. Daher haben wir den Neubau wie ein Möbel hineingestellt.
Frage V & B: Moderne Pädagogik umfasst die Schulung von Kindern in allen
Bereichen. Wie hat dies auf den Neubau der Kita Einfluss genommen?
Herr Krämer: Frau Speicher, die Gesamtleiterin von 8 Kitas im Saarland, hat uns da mit
einer verblüffenden Idee überrascht. Sie wollte auf allen Waschtischen unterschiedliche
Armaturen. Erst im Gespräch erfuhren wir, dass die Kinder durch den Umgang
mit unterschiedlichen Armaturen lernen diese zu beherrschen. Das sieht zwar
merkwürdig aus, ist aber sehr lehrreich.
Frau Speicher: ...außerdem sollen ja auch die Nassbereiche Raum für das Ausprobieren
und die Neugier der Kinder bieten. Immerhin entwickeln sie in diesem Bereich
ihr eigenes Verhältnis zur Hygiene. Da ist es schon gut zu wissen, dass die WC’s
durch ihre Form besonders reinigungsfreundlich sind und dank einer speziellen
Oberfläche Bakterien kaum eine Chance geben.

Mario Krämer
Architekt
FLOSUNDK, Saarbrücken

Simone Speicher
Gesamtleiterin Kitas,
Katholische KiTa gGmbH,
Saarland

Stefan Driesch
Standortleiter
Kita Christkönig, Saarlouis

