„Wir brauchen mehr Dynamik im Bad“

Interview Dr. Alexander Rieck

Alexander Rieck über die Möglichkeit Künstlicher Intelligenz in der Architektur, und wie sich Räume dadurch auf den Menschen einstimmen können.

Wann macht Sie die geschaffene Architektur glücklich?

Für mich ist das Geschaffene dann besonders zufriedenstellend, wenn die Menschen und die Architektur miteinander korrespondieren. Also wenn sich die Menschen an einem Ort so bewegen, oder sie einen Raum so adaptieren, wie ich es mir als Architekt gewünscht habe.

Kann Architektur unser Wohlbefinden beeinflussen?

Ja, allerdings müssen wir Architektur dafür ganz anders definieren als bisher. Wir gehen in der Architektur sehr statisch mit Elementen um. Der Mensch ist aber hochgradig dynamisch. Das heißt, die Architektur muss ihn in seinem Ist-Zustand, seinem „emotionalen Jetzt“ abholen, um Wohlbefinden auszulösen. Dafür braucht es eine dynamische Architektur, auf die Dinge wie Licht, Temperatur oder akustische Elemente einwirken.

Welche Rolle spielt speziell das Bad für das Wohlfühlen in der Architektur?

Im Bad lege ich jeglichen Schutz ab, ich bin ohne Bekleidung und für gewisse Einflüsse extrem offen. Ich bin sozusagen der Schnittstelle des körperlichen Wohlbefindens etwa vom Schlafen zum Aufwachen sehr nahe. Dafür bedarf es gerade im Bad adaptiver Elemente. Wir haben morgens, mittags und abends andere Empfindungen und unterschiedliche Reflexionen. Ein adaptives Bad kann etwa entscheidend dazu beitragen, den Körper morgens beim Aufwachen oder abends beim Einschlafen ins Gleichgewicht zu bringen. 

Was verstehen Sie unter adaptiver (Innen-) Architektur?

Im Grunde bedeutet es, dass das Wohlfühlen in der Architektur in erster Linie von Stimmungen bestimmt wird. Adaptive Architektur (er)kennt meine Emotionen und stimmt zum Beispiel das Licht oder die Musik darauf ab. Dafür muss die Architektur jedoch wissen, was derjenige gerade empfindet, der den Raum betritt. Wesentliche Schlüssel dazu können auch in der Architektur Deep Learning und Künstliche Intelligenz sein. 

Was heißt das konkret für die Zukunft?

Wir kennen Algorithmen, die uns auf Basis von Daten etwa bei der Smartphone-Nutzung individuelle Angebote zuspielen. Übertragen auf die Architektur bedeutet das, dass Räume in Zukunft etwa ihre Beleuchtung, Temperatur oder Düfte individuell „ihrer Nutzer“ anpassen. Das spannende für Architekten dabei ist es, dass er dem Raum nicht mehr als statisches Element begegnet - sondern ihn als ein dynamisches System begreift, wo er direkt die Menschen beeinflussen kann.

Zur Person

Alexander Rieck ist Partner und Gründer des Architekturbüros L-A-V-A und forscht am Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart. Nach seiner Zeit beim Virtual Reality Labor des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart arbeitete und forschte er an einer Reihe von Zukunftsthemen wie das Arbeiten der Zukunft im Verbundforschungsprojekt OFFICE21, dem Hotel der Zukunft im Projekt Futurehotel und der Stadt der Zukunft im Projekt MORGENSTADT.