East Meets West
Spannende Einblicke in die Badkultur von Ost und West

Unter dem Motto „East Meets West“ trafen sich im September 2015 bei Villeroy & Boch in Mettlach Architekten, Innenarchitekten und Planer aus Europa, Amerika und Asien zu einem internationalen Experten-Kongress, um über die Zukunft des Bades im interkulturellen Kontext zu diskutieren. Ein hochaktuelles Thema, denn die Bedeutung des Badezimmers unterliegt einem stetigen Wandel. Globale Entwicklungen wie der demografische Wandel, die Urbanisierung der Gesellschaft und der medizinische Fortschritt, aber auch universale Designtrends und das Bauen im Bestand haben großen Einfluss auf das Bad.
Gibt es dabei interkulturelle Unterschiede zwischen Ost und West in Sachen Badezimmer? Und wie sehen dabei die räumlichen und funktionellen Anforderungen an das Bad konkret aus, heute und in der Zukunft? Diesen Fragen sind Steve Leung, international bekannter Architekt, Interior- und Product Designer aus Hongkong, und die Trendforscherin Oona Horx-Strathern vom Zukunftsinstitut Wien nachgegangen. Sie kommen zu spannenden Ergebnissen.
East: Wohlfühlen auf kleinstem Raum
Steve Leung agiert bei seinen Interior Designs im Spannungsfeld von chinesischer Architektur und westlichen Designelementen und führt sie in seinen Raumkonzepten gelungen zusammen. Seine Badgestaltungen bieten Komfort auf höchstem Niveau und besitzen einen ausgesprochenen Wohlfühlcharakter, und das auf kleinstem Raum. Denn aufgrund der extrem hohen Immobilienpreise in Hongkong und China haben hier selbst Luxusappartements nur eine sehr kleine Grundfläche.
Trotz seiner geringen Größe ist das Badezimmer ein Ort der Entspannung und Erholung, an den man sich nach einem anstrengenden Arbeitstag zurückzieht. Die Einrichtungen sind entsprechend teuer, aber auch sehr individuell und persönlich: Teppiche, Tapeten und Möbel geben dem Badezimmer einen wohnlichen Charakter. Für die Sanitärelemente wählt Leung kompakte Designs mit cleveren Details, etwa aus der Kollektion Architectura, die er für Villeroy & Boch entwickelt hat. Die aktuelle Kollektion umfasst eine große Auswahl an Sanitärkeramik in verschiedenen Größen und Formen, die Systemlösungen für jede Raumsituation und jeden Gestaltungswunsch bieten und so selbst höchste Anforderungen von Planern und Architekten erfüllen.
Steve Leung ist Gründer und Vorsitzender der Steve Leung Designers Ltd. Mit mehr als 400 Mitarbeitern ist Steve Leung Designers Ltd eines der größten Designbüros in Asien. In den Jahren 1999 bis 2014 wurde er mit über 120 Design-Preisen ausgezeichnet, darunter allein 12-mal der „Oscar of Design“. Seine Arbeiten sind einzigartig: minimalistisch und aus der asiatischen Kunst und Kultur abgeleitet.
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West: Von Wellness zu Selfness
Während Steve Leung hochwertige Designs für die aktuelle Badkultur in Hongkong und China entwickelt, befasst sich Oona Horx-Strathern vom Zukunftsinstitut Wien mit den kommenden Megatrends – Trends, die auch die Architektur und das Badezimmer der Zukunft beeinflussen werden. Oona Horx-Strathern, Trendforscherin und Autorin, gründete 1999 zusammen mit ihrem Mann, dem Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx, das Zukunftsinstitut Wien, das zahlreiche europäische Unternehmen in allen Wirtschaftsbereichen berät.
Zur Beantwortung der Fragen „Wie werden wir leben?“ und „Wie stellen wir uns das Leben in der Zukunft vor?“ hat Oona Horx-Strathern elf Megatrends ausgemacht, die das Leben in der Zukunft bestimmen werden. Im Bereich Wohnen stellt sie fest, dass sich die Räume und ihre Funktionen bereits stark verändert haben und sich weiter verändern werden. So hat sich nicht nur die Küche in den letzten 20 Jahren geändert und ist vielfach inzwischen zum offen in den Wohnbereich integrierten Lebens- und Kommu-nikationszentrum geworden, sondern auch das Badezimmer hat sich stark verändert: Aus einem Ort der reinen Körperhygiene ist ein Wellness-Raum geworden, in dem die körperliche Gesundheit gepflegt wird.
Mit Blick auf Tendenzen wie Urbanisierung, Individualisierung und die Silver Society der aktiven und kaufkräftigen Senioren geht Horx-Strathern davon aus, dass das Badezimmer künftig nicht von Technologisierung geprägt sein wird. Im Gegenteil: Das Bad wird zu einem zweiten Wohnzimmer, zu einem Rückzugsort vom Alltag, zu einem Raum des Wohlfühlens und der Selbstfindung. Aus Wellness wird Selfness – geistiges Wohlbefinden, innere Achtsamkeit und mentale Gesundheit.
Entsprechend wird die Design-Evolution im Badezimmer aussehen: War die Sanitäreinrichtung früher funktional und zweckmäßig ausgerichtet, wird heute viel Wert auf gelungene Gestaltung und Design gelegt. Gleichzeitig wird das Bad zunehmend in Richtung Schlafzimmer geöffnet. Dabei ist sogar eine Symbiose der beiden Räume in Form eines „Bothrooms“ möglich. Das Bad der Zukunft sieht Horx-Strathern als Boudoir im Salon-Style, in dem Möbel anstelle fest eingebauter Gegenstände zum Einsatz kommen. Da alle Elemente flexibel und beweglich sind, kann man das Badezimmer dann jederzeit an seine aktuellen Bedürfnisse anpassen.





