TECHNIK DARF DAS WOHLFÜHLEN NICHT DOMINIEREN

Interview Benedikt Komarek

Das Schani in Wien bezeichnet sich selbst als „smartes“ Hotel. Hotelchef Benedikt Komarek über dienende Technik, die Gäste begeistert. Und warum diese am besten unsichtbar ist.

Welche Rolle spielt die Technisierung in der Hotellerie?


Das ist eine spannende Frage, die es aus zwei Perspektiven zu beantworten gilt. Der Nutzen ergibt sich einerseits für das Hotel und andererseits für den Gast. Der Vorteil für das Hotel ist vor allem, dass die Mitarbeiter dank smarter Lösungen wie Self Check-In mehr Zeit für ihre Gäste haben. Für den Gast bieten innovative Techniken besonders „Wohnkomfort“. Im Schani gibt es „spezielle“ Zimmer, welche zum Beispiel atmosphärische Licht-Szenarien oder Dusch-WCs bieten.


Wie beurteilen Sie den Nutzen von Technik?

„...wenn sie unsichtbar ist“. Hier denke ich zum Beispiel an unsere Komfortlüftung. Sie bietet bei höchster Nachhaltigkeit ein optimales Raumklima. Natürlich darf die Technik den Hotelaufenthalt nicht dominieren. So können Gäste im Schani online einchecken und sparen damit Zeit. Selbstverständlich stehen unsere Mitarbeiter bereit und ermöglichen dem Gast die Wahl zwischen klassischer Key-Card oder digitalem Schlüssel auf sein Handy.
Unsere Erfahrung zeigt auch, dass das Thema der Hygiene noch immer dominiert. Idealerweise findet sich im Hotel klassisches Design mit High-Tech im Hintergrund. Ein Beispiel im Schani sind dafür spülrandlose WCs in den Badezimmern.


Wann ist Technik für Sie smart?


Technik wird dann smart, wenn sie uns Menschen mehr als reinen Komfort bietet. Etwa dann, wenn sie auch dem wichtigen Wunsch nach Nachhaltigkeit gerecht wird. In unseren speziellen Zimmern etwa spart der Gast intuitiv Wasser, in dem die Beleuchtung bei (zu) langem gebrauch dezent von grün auf Rot wechselt. Noch testen wir dies. Aber überlegen Sie sich einmal die Einsparung, wenn wir solche Effekte auf alle unsere 135 Zimmer multiplizieren.


Wie kann Technik höchste Kundenbindung erreichen?


Die Maßnahmen zur Kundenbindung konzentrieren sich in der Stadt-Hotellerie ganz generell sowohl auf Stamm- als auch auf Businessgäste. Sie sind beruflich unterwegs und haben einen anderen Fokus. Sie wollen sich nicht lange mit der Technik auseinandersetzen. Diese sollte daher immer intuitiv bedienbar sein. Einen wesentlichen Anteil am Erfolg des Hotelkonzepts haben im Zimmer außerdem das Bett und das Bad. Beides sind entscheidende Kriterien für den Wohlfühlfaktor.


Stichwort Bäder. Wie haben Sie das Wohlfühlen dort umgesetzt?


Wie gesagt, ist Hygiene für den Gast ein Muss. Daher haben wir uns entschieden, die Badezimmer sehr hell zu gestalten. Viel Licht zeigt einerseits, dass es sauber ist - und erleichtert andererseits die Körperpflege etwa beim Schminken oder Rasieren. Weiter haben wir die Bäder zwar offen, aber durch einen Vorhang abtrennbar in das Hotelzimmer integriert. So entsprechen wir dem Wunsch vieler Gäste nach großzügigen Räumen, beherzigen aber auch Privatsphäre. Schließlich ermöglicht das offene Raumkonzept den Genuss der Entertainmentmöglichkeiten auch im Badbereich, wie etwa seine Smartphone-Inhalte über den TV-Screen zu nutzen.


Wie glauben Sie, dass sich das Hotelbad künftig entwickeln wird?


Gerade im Hotelbad geht der Trend noch stärker hin zu kleinen Wellness-Tempeln mit Unterhaltungswert. Dusch-WCs sind in anderen Teilen der Welt bereits Standard. Die Dusche als Dampfbad könnte ein nächster Schritt buchbarer Badkomfort für Reisende sein. Und auch in punkto Nachhaltigkeit wird sich noch einiges tun. So könnte in Zukunft ein Ganzkörper-Föhn viele Handtücher und damit Energie sparen. Die Ansprüche an das Entertainment im Badezimmer steigen ebenfalls mit der digitalen Vernetzung.


Zur Person:
Benedikt Komarek stieg nach dem Studium in Wien und Budapest frühzeitig in den elterlichen Hotelbetrieb ein und führt seit 2008 die erfolgreiche Hotelierstradition der Familie mit zukunftsweisenden Ideen fort: Mit dem Hotel Schani Wien eröffnete Benedikt Komarek das erste „reale Future Hotel“ mit smarten Ideen für den Gast und zukunftsweisenden Konzepten für die Hotellerie.

Hotel Schani, Wien