„A VERY BRITISH HEIMAT!“

Interview Martin Murphy

Über seine ganz eigene Definition von Heimat und welche Bedeutung der „bestimmte“ Ort für das Wohlfühlen in der Architektur hat. Darüber sprach Villeroy & Boch mit dem „Hamburger“ Architekten des Hotels The Fontanay.

Heimat ist für mich…

.. ein emotionaler Begriff. Was er für den Einzelnen bedeutet, ist unterschiedlich - jeder erklärt und empfindet ihn anders. Für mich ist Heimat der Ort, in den ich Hineingeboren wurde, an dem ich aufgewachsen bin und der mich geprägt hat. Für keinen anderen Ort meines Lebens gibt es so viele Erinnerungen und Emotionen. Da sind nostalgische Empfindungen und Sinneseindrücke – Bilder, Gerüche, Töne – und ein Gefühl von Vertrautheit und Zugehörigkeit.

Kann man zwei Heimaten haben?

Ich kann für mich sagen: Hamburg ist meine Wahlheimat. Seit 23 Jahren lebe und arbeite ich hier. Hier sind meine Kinder aufgewachsen, hier ist mein Lebens- und Schaffensmittelpunkt. Interessanterweise gibt es im englischen Sprachgebrauch die Unterscheidung zwischen Heimat und Zuhause nicht. Home kann Heim und Haus ebenso wie Heimat bedeuten. Als Engländer sage ich: Hamburg is my home. My roots are British.

Der Satz „Home away from Home“ wird in der Hotelbranche gern gebraucht. Kann Architektur Heimat schaffen?

Ich glaube nicht, zumindest nicht für meine Definition von Heimat. Was dieser Satz für mich meint ist, dass hier positive Gefühle von Heimat geweckt werden – nach einem Ort, der Geborgenheit und Vertrauen gibt. Danach, sich wohl dort zu fühlen, wo man ist. Heimat als Gegensatz zu Fremdheit, ein Zuhause auf Zeit.

Was bedeutet dies für die Hotelarchitektur?

Je komplexer und schnelllebiger unsere Welt wird, desto notwendiger wird Identität und Authentizität. Die Architektur vieler internationaler Hotelketten, die in Hamburg nicht anders aussieht als in Bangkok oder Brisbane, macht es schwer, sich Zuhause zu fühlen. Wenn Architektur gesichts- und seelenlos ist, fehlen bleibende Erlebnisse und Erinnerungen an sie. Ein gutes Hotel hat für mich Charakter, Ausdruck und Atmosphäre. Einen Bezug zu dem Ort, an dem es steht, seine eigene unverwechselbare Geschichte.

Eine Balance zwischen dem Respekt vor der Historie des Ortes ist für mich ebenso wichtig wie der Mut, etwas Neues und Einzigartiges zu schaffen. Hier liegt die Herausforderung für die Planer, und auch der besondere Reiz dieser Bauaufgabe. Bei Projekten wie dem Tagungshotel Kloster Haydau, wo im Kontext mittelalterlicher Bausubstanz ein behutsam eingefügtes modernes Haus entstand, oder dem kraftvollen Solitärbau des neuen Grandhotel The Fontenay ist uns das, wie ich finde, gut gelungen.

Wie erzielen Sie dieses Gefühl der „Heimat auf Zeit“ in einem Hotel?

Es ist mir wichtig, kein klischeehaftes Abziehbild des Begriffs Heimat und keine inszenierte Authentizität anzubieten, sondern ein ehrliches Erlebnis über den Genius Loci des Hotels zu entwickeln. In einer reinen Kulisse kann man sich nicht zuhause fühlen.

Worauf achten Sie, wenn Sie ein Hotel auswählen, wo fühlen Sie sich wohl?


Das Hotel Kloster Haydau ist dafür ein gutes Beispiel, da die Geschichte dieses besonderen Ortes die bestimmende Kraft bei der Einwicklung der Architektur war. Über das Zusammenspiel der historischen und neuen Bausubstanz fand sich das Motiv für das Innendesign ebenso mühelos wie selbstverständlich: Es spielt mit dem Kontrast zwischen Alt und Neu, zwischen klösterlicher Schlichtheit und zeitgemäßem Komfort. So entstand ein Haus, das Ruhe und Inspiration atmet. Neben dem wichtigen ersten Eindruck bei der Begrüßung in der Lobby spielt für mich der private Bereich eine bedeutende Rolle - insbesondere im Bad, wo der Gast in den intimsten Kontakt mit der Architektur tritt. Wenn dann noch das Licht stimmt und spannende Kunst meine Sinne fordert kann ich wunderbar entspannen.

Zur Person: 
Martin Murphy wurde 1966 in Wallasey, UK geboren. Sein Studium in London und Canterbury schloss er 1991 am Canterbury College of Art and Design ab. Es folgte ein Architektur-Aufbaustudium an der Politecnica de Madrid. Nach seiner Zeit bei Christoph Ingenhoven Architekten in Düsseldorf kam er 1995 zu Alsop & Störmer Architects, Hamburg und ist seit 2004 Partner im Büro Störmer Murphy and Partners.

Martin Murphy